Moralisch divergent

Wenn man sich die Frage stellt, wer eigentlich mit „pin mail“ Briefe verschickt, bleiben eigentlich im Schwarz-Weiß-Köpfchen nur die üblichen Verdächtigen. Immerhin ist die aktuelle politische Debatte um Betriebsräte und Mindestlöhne und Pins fortwährender Kampf gegen diese hinlänglich bekannt. Wer also Briefe mit Pin verschickt und ein bisschen darüber nachdenkt, ob der- oder diejenige, die diesen Brief austrägt, auch ordentlich bezahlt oder wenigstens im Unternehmen vertreten wird, muss sich eigentlich die Frage gefallen lassen, ob das denn alles irgendwie OK ist.

Wer versendet also Briefe per „pin mail“?

Mein erster Kandidat heißt hier eindeutig Mob Action. Das „linke“ Klamottenlabel, das sich mit Sprüchen wie „Fuck Police!!!“ in seinem Katalog Flyer -Heftchen mit Produktangeboten- nachhaltig im entsprechenden Marktsegment einzementieren konnte, hat anscheinend keine Bedenken, dass der Zustelldienst Pin irgendwie nicht zum Anspruch ans eigene Image passt. Warum auch? Links heißt ja nur, …, äh, dass man kapitalismuskritisch, nein, dass man Gewerkschaften, nein, dass man auf jeden Fall schon mal gegen Nazis ist! Ich versteh das. Klar. Ohnehin verkauft man ja nur Produkte die frei von tierischen Erzeugnissen sind und fair gehandelt wurden. Und sowieso unterstützt man ja mit den Einnahmen politische und subkulturelle Kampagnen. Genau!

Ums aufn Punkt zu bringen. Es ist einfach nur lächerlich. Ein Versandhandel, der sich schon als Pseudo-links outet bevor ich auch nur den Briefumschlag geöffnet habe, ist schon fast rekordverdächtig. Meinen Glückwunsch. Ihr dürft euch jetzt freuen.

Retusche mal anders

Was eine Retusche ist dürfte den meisten von uns bekannt sein. Schließlich bekommen wir Bilder, die nachretuschiert wurden, fast jeden Tag zu sehen. Und wer das Ganze mal selbst machen will stößt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf diese Seite dank den entsprechenden Pageranks zu „retuschieren“. Ziel des Tutorials ist es, übrigens nach eigener Aussage, „Hautverunreinigungen, Falten und Körpermale“ einfach mal eben so verschwinden zu lassen. Klingt nett. Ist es prinzipiell auch. Was mich allerdings nicht so richtig überzeugen konnte ist das Beispielbild, wies denn nach der „Bearbeitung“ aussieht. Das sieht nämlich eher nach Amputation aus als Verschönerung. Aber das ist ja bestimmt Geschmackssache.