1. Software MHD

    Veröffentlicht von Konrad Mohrfeldt am 28. Juni 2009 · Einen Kommentar hinterlassen 

    Software ist Software ist Software. Und wie jedes andere Produkt veraltet sie. Es ist jetzt aber nicht so das Spiele Falten bekommen (höchstens die Handbücher ;)) oder Windows 95 analog zum Abnehmen der Hörfähigkeit bei Menschen im fortgeschrittenen Alter nicht mehr alle Tastatureingaben akzeptiert. Nein. Solchen Problemen muss sich zum Glück niemand stellen.

    Problematisch wird es eher bei der Hard- bzw. auch Software für die ein Softwareprodukt mal erstellt wurde. Diesen Problemen wird im Spielebereich zum Beispiel mit Projekten wie DosBox oder ScummVM begegnet und das auch durchaus erfolgreich. Trotzdem. Ich frage mich, wann ich einen Emulator brauche um die besagten Programme starten zu können. Irgendwann läuft die VM der VM in der VM der VM. Und irgendwie fetzt das nicht.

    Warum komme ich dazu, dass zu schreiben? Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, nach Windows XP kein neues Windows mehr zu verwenden. Und zum Arbeiten verwende ich heute auch schon zu großen Teilen Linux. Wenn ich zum Spielen komme wirds allerdings schwierig. Denn da ist Linux (bzw. machen wirs mal richtig: Ich nutze Fedora) nach wie vor, zumindest auf meinen Systemen, immer eine 0 gewesen.

    Ich teste also grade ein wenig den Windows 7 RC und bin durchaus erfüllt von einigen sinnvollen Neuerungen. Aero ist nett, aber müsste jetzt nicht sein. Ich gebe aber zu, dass es einen angenehmen „Flow“ hat, um mal das Trendwort zu strapazieren, wenn alles ein bisschen umherfadet. Gefällt. Tatsächlich hilfreich sind mir bei der Arbeit aber andere Features. Ganz toll finde ich die Jumplists, mit denen man aus der Taskleiste die letzten aufgerufenen Dateien eines Programms aufrufen lassen kann. Absolut knorke ist auch die Eingabezeile beim Öffnen des Startmenüs, die mir von Apples Spotlight Funktion inspiriert zu sein scheint. Aber auch die Suchfunktion im Explorer, für die man nichtmehr fünf mal klicken muss, ist hilfreich und das Programmnamen nicht mehr in der Taskleiste angezeigt werden und so für Ordnung gesorgt ist.

    Und als ich heute Anno 1701 installiert habe, habe ich mich fast über Microsofts fascho Treiberpolitik gefreut. Der Kopierschutztreiber konnte mangels Treibersignierung nicht installiert werden. Ganz hervorragend. Ich finds ohnehin scheiße, dass mir ein legal erworbenes Spiel erstmal den Generalverdacht des Mordkopierens und ein paar halbinstabile low-level Treiber um die Ohren haut.
    Was ich aber schmerzlich herausfinden musste: Ohne KS-Treiber kein Spiel. Da kann die DVD noch so original sein.
    Auch mit neuestem Patch startet das Spiel also nicht. Als halbwegs intelligenter Mensch guck ich aber nochmal nach linx und rechts und finde schlussendlich auf der Seite des KS Herstellers (TAGES) ein Update des Treibers. Ein etwas unbedarfter PC-Anwender dürfte mit dieser Sache aber schon seine Probleme gehabt haben. Ein Crack existiert für die aktuelle Version übrigens nicht mehr.

    Das Problem an der Sache ist aber folgendes: Das es einen aktuellen Treiber gibt, ist eigentlich dem Gutdünken des Herstellers geschuldet und nicht etwa seiner Verpflichtung dazu. Tatsache ist: Ein vor 3 (!) Jahren veröffentlichtes Spiel läuft ohne weiteres Zutun nicht mehr auf einem aktuellen System.

    Das ist per se schonmal nicht hinnehmbar. Der Grund dafür ist aber nicht etwa, weil das eigentliche Spiel nicht funktioniert. Das Problem ist, dass eine Komponente (die nicht fürs Spielen zuständig ist) das MHD des Produkts künstlich herabsetzt. Nun will ich mich nicht volle Breitseite in die Produktpolitik von Publishern einmischen und ihnen den Einsatz von Kopierschutzmechanismen verbieten, auch wenn ich diese Systeme für unwirksam, kriminalisierend und ganz allgemein lächerlich halte.

    Trotzdem: Computerspiele sind Kultur und sollten auch in 10 Jahren noch irgendwie (auch wenns die VM in der VM ist) ausführbar sein. In dem man die Verschärfung von Kopierschutzmechanismen forciert und ihren Einsatz forttreibt erschwert man die Verfügbarmachung von Kultur für spätere Generationen. Und so darf’s einfach nicht laufen.

    Dabei wäre das Problem schon zumindest im Ansatz relativ einfach zu lösen. Nach drei Jahren oder meinetwegen auch vier, veröffentlicht der Publisher das Spiel ohne Kopierschutz, bzw. entfernt ihn per Patch. Firmen wie Egosoft (Entwickler der X-Serie) machen das schon seit Jahren.

    Grundsätzlich übergehe ich damit in der Diskussion der Problematik natürlich, dass das Urheberrecht sowieso liberalisiert gehört. Und zwar deftig. Darauf weist die Piratenflagge links aber ja sowieso ganz dezent hin ;).

    Also: Da Verträge der Bundesregierung mit privaten Firmen gerade ganz „In“ sind: Ich fordere, dass ein Vertrag mit den Publishern geschlossen wird, damit Kopierschutzmechanismen in einer verträglichen Zeit aus Produkten entfernt werden (d.h. also nicht erst nach 70 Jahren oder ähnliche Späße). Danke.

  2. Senf dazugeben

    (benötigt)