Vom Weg abgekommen

Am 02. November ist endlich das neue Katatonia Album, auf das ich solange gewartet habe, erschienen. Ich weiß jetzt gar nicht genau wann der Vorgänger, The great cold distance, erschienen ist. 3 Jahre dürftens aber ungefähr gewesen sein, die da ins Land gezogen sind.

Nun ja. Jetzt ist es da. Und ich stehe, obwohl die Platte nun schon ein paar Runden gedreht hat, doch etwas ratlos da. Es ist nicht das ganz alte Katatonia, was ich da höre, nicht das alte und auch nicht das vom letzten Album.

Es ist irgendetwas anderes. Ich höre tragende elektronische Klänge (es mag schon immer elektronische Elemente gegeben haben, aber die waren lange nicht so vordergründig -- zumindest hab ich sie nie so wahrgenommen), ich höre wieder mal Melodien, bei denen es mir kalt den Rücken runterläuft, ich höre ordentlich Gitarren und ich höre tja, irgendwas anderes.

Was ich Katatonia wirklich an diesem Album lassen will und muss: Sie beherrschen ihre Instrumente. Egal welcher Stil gespielt wird, ich habe immer das Gefühl, dass auf sehr hohem Niveau gespielt wird. Und über die Stimme vom Herrn Renkse brauchen wir uns nicht zu unterhalten. Die hat nach wie vor eine Intensität und schaurige Gewaltigkeit, die da wirklich ihresgleichen sucht. Hut ab.

Aber ein Album besteht ja nicht nur aus dem Gefummel der Musiker an ihren Geräten und ner stimmigen Gesangseinlage.

Tatsächlich hat Katatonia, wie oben schon angedeutet, eine Menge Einflüsse auf diesem Album vereinigt. Und an einigen habe ich tatsächlich etwas zu knabbern.

Ich nehme mal die Tracks für mich einzeln auseinander (und ich gehe nicht auf die Texte ein)

Track 01 -- Forsaker
Das Album legt mit einem Song los, den man wahrscheinlich auch auf dem letzten Album hätte finden können. Schwere Gitarren im Refrain, ruhiger dazwischen, eindringliche Stimme und ein paar wirklich sehr schön gebastelte Bridges, die zeigen wie gut Katatonia wirklich sind. Gefällt mir sehr gut (obwohl ich mich hier doch sehr einhören musste).

Track 02 -- The Longest Year
The Longest Year hat eine ganze Menge an elektronischem Begleitwerk. Zu meinem Erstaunen ist es aber trotzdem (trotzdem ist vielleicht zu viel gesagt -- ich höre auch sehr viele elektronische Musik) eines meiner Lieblingsstücke auf der Scheibe und der Refrain haut mich regelmäßig aus den Schuhen.

Track 03 -- Idle Blood
Idle Blood finde ich sehr schwierig. Es ist keinesfalls ein schlechtes Lied, aber irgendwie auch nicht so ganz was ich erwarte. Ehrlich gesagt erinnert mich der Song sehr stark an Lieder von Porcupine Tree und ganz ehrlich, die gehen mir musikalisch ziemlich aufn Keks. Die haben nämlich unterwegs ihre Gitarren vergessen ^^. Ich habe jedenfalls bisher kaum Gefallen an diesem Lied gefunden.

Track 04 -- Onward Into Battle
Schöne Stimme, gute Instrumentation, nette Bridge. Kracht vielleicht ein bisschen wenig, aber solide. Für Katatonia aber nichts außergewöhnliches.

Track 05 -- Liberation
Wieder ein solider Song. Aber irgendwie, wie der letzte, nichts halbes und nichts ganzes.

Track 06 -- The Promise Of Deceit
Ja den find ich gut. Haut nicht fürchterlich rein, aber hat ne sehr stimmige Instrumentation. Kein Riesenknüller, aber einer der besseren Songs auf dem Album wie ich finde.

Track 07 -- Nephilim
Joar gefällt. Nix besonderes. Das ist tatsächlich auch ein wenig schwierig. Der Mittelteil des Albums geht wirklich halbwegs unter. Die Lieder ähneln sich z.T. sehr oder haben zumindest keine großartigen Impulse, die einen aufhorchen lassen.

Track 08 -- New Night
Jaaa! Super. Dieser Track gefällt mir sehr gut. Ruhig zwischen den Refrains und schön schwere Gitarren im Refrain. Super Stimme, klasse Melodie, ein wenig Klavier. Ich steh drauf.

Track 09 -- Inheritance
Ruhiger Song, viele elektronische Spielerein. Stimme ist sehr vordergründig. Vielleicht ein wenig zuviel dran rumgedoktort, aber alles in allem kann man den gut hören.

Track 10 -- Day And Then The Shade
Ist wohl irgendwie ganz gut. Viel Gitarre und ordentlich Drum. Melodie fehlt mir und endet abrupt -- aber das ist ja nicht das erste mal ^^.

Track 11 -- Ashen
Tja. Gilt quasi das gleiche wie für Track 11. Ordentliche Instrumentation (gutes Stück härter) aber mir fehlt irgendwie ne hybsche Melodie, die das Ganze zusammenhält. Schade eigentlich.

Track 12 -- Departer
Wieder sehr ruhig, Renkses Stimme ist teilweise etwas eigenartig.

Tja. Was soll ich sagen. Night is the New Day ist kein schlechtes Album. Ganz und gar nicht. Ich hätte mir aber tatsächlich ein wenig mehr Härte gewünscht. Gerade die Tracks in der Mitte finde ich doch alle etwas farblos und auch die hinteren sind keine Überflieger wie ich finde. Forsaker, The Longest Year und New Night werden mir wahrscheinlich nachhaltig im Kopf bleiben, was für ein Katatonia Album bei mir keine wirklich gute Bilanz ist.

Und nun? Katatonia sind von dem Weg abgekommen, den sie mit The Great Cold Distance beschritten haben. Ob sie auch gleich vom rechten Weg abgekommen sind: Ich weiß es nicht. Vielleicht ist dieses Album auch nur der Schritt zu einem ganz anderen Katatonia-Erlebnis. Keine Ahnung.

Was solls. Die Scheibe wird noch ein paar Runden drehen. Und für alle dies vielleicht verpasst haben. Jonas Renkse hat mit Long Distance Calling einen Song aufgenommen. Und der haut richtig rein, find ich. N8 ;o).

Night is the new Day

Genau diesen Titel wird das neue Katatonia Album zieren, wenn es denn endlich am 02. November 09 erscheint (und ich geh hier echt schon aufm Zahnfleisch).

Es ist ja nicht so, dass es von Katatonia nicht schon genug Musik gäbe, mit der mensch sich die Zeit vertreiben könnte, aber, ganz ehrlich, ich rotiere im Freudenkreis! Es ist einfach ein nicht zu Ende gehender Ohrenschmaus so ein Katatonia Album und ganze 3 Jahre musste ich jetzt warten (ich will mir gar nicht ausdenken, was passiert, wenn die mal keine Musik mehr machen).

Mensch merkt: Ich werde die Teaserseite zum neuen Album förmlich einatmen, wenn sie denn so zwischen dem 07. und 12. September online geht und euch verpflichte ich im Voraus schonmal zum Kauf naja, wenigstens zum alte Lieder anhören.